Festschrift zum 125. jährigen Jubiläum der Feuerwehr Glattbach im Jahr 2004

 

 

 

 
 

Ein Glattbacher Feuerwehrmann

Anmerkung der Freiwilligen Feuerwehr Glattbach: unten stehender Text wurde unserem am 28.07.2009 verstorbenen Ehrenmitglied Ludwig Sauer gewidmet. Er wurde von unserem verstorbenen Altbürgermeister und Ehrenvorsitzenden Friedolin Bernhard geschrieben und in der Festschrift zum 125. jährigen Jubiläum der Feuerwehr Glattbach im Jahr 2004 veröffentlicht.

Es ist wohl kein Glattbacher so lange mit der FreiwilligenFeuerwehr des Ortes verbunden wie Ludwig Sauer, Kapellenstraße 12.
Ludwigs Vater, August Sauer, war 33 Jahre lang, von 1913 bis 1946, Kommandant der Glattbacher Feuerwehr.
Er und seine Familie wohnten im „Gäßchen“. Diese Straße musste im Laufe der Geschichte mehrere Umbenennungen über sich ergehen lassen. So war ihr erster offizieller Name „Neu-Gasse“ dann „Hindenburg-Straße“ und heute „Pfarrgasse“.
Die Kindheit und Jugend von Sohn Ludwig waren geprägt von den Idealen einer verantwortungsbewussten Führerpersönlichkeit, die sein Vater bei der Feuerwehr war. Militärische Führung, Exerzieren mit und ohne Feuerwehrgeräte und Grußpflicht während des Dienstes waren damals bei der Feuerwehr eine Selbstverständlichkeit. Die Begriffe Ehre, Treue und Vaterlandsliebe hatten einen hohen Stellenwert. Nur Unbescholtene durften den Ehrenrock des Feuerwehrmannes tragen.
Ludwig erinnert sich noch an eine Tagung der Feuerwehr in Weibersbrunn, zu der ihn sein Vater zum ersten Mal mitnahm. Mit einer Limo brav bei den Großen sitzen zu dürfen, war damals schon ein Erlebnis.
Hektisch waren manche Sonntagvormittage daheim, wenn Kommandant August Sauer eine Feuerwehrübung angesetzt hatte. Vater August lief mit Schnurrbartbinde herum, damit der Kommandantenbart seine richtige Form behielt und bei der Übung nicht seine Wirkung verfehlte. Mutter Martha polierte die Messingknöpfe der Uniform unter Verwendung einer sog. Knopfgabel, dies war ein flaches, eingekerbtes Stück Holz, das man unter den Knopf schob, um zu verhindern, dass das Uniformtuch in der Umgebung des Knopfes durch das Poliermittel „Sidolin“ nicht beschmutzt wurde. Sohn Ludwig musste sich den Helm vornehmen und die Messingteile daran auf Hochglanz trimmen.
Seine kindliche Berufsvorstellung und sein damaliges Ideal war die Figur des „Tambourmajors“ in einer Militärkapelle. Sein beliebtestes Spielzeug war eine glänzend polierte Herdstange, die er als „Tambourmajor“ in den Ortsstraßen der Gemeinde unter seinesgleichen schwang. Somit bekam er den Beinamen „Major“, den er bis heute behalten hat. Einen alten Glattbacher nach Ludwig Sauer zu fragen, erfordert oftmals bei dem Befragten Nachdenken, während die Frage nach dem „Major“ sofort beantwortet wird.
Ludwig Sauers berufliche Heimat war die Bahn. Er wurde 1942 als 18 Jähriger zum Kriegsdienst in die Wehrmacht eingezogen. Am Ende des Krieges geriet er in amerikanische Gefangenschaft und wurde 1945 bei Nürnberg entlassen. Von dort aus musste er zu Fuß nach Hause laufen.
Ludwigs Vater, Feuerwehrkommandant August Sauer, hatte durch eine explodierende Brandbombe am 21. Januar 1945 ein Auge verloren und konnte deshalb keinen aktiven Feuerwehrdienst mehr leisten.
Das Feuerwehrwesen war in der Nachkriegszeit zum Erliegen gekommen. Von 1946-1952 gab es wie in vielen Gemeinden, so auch in Glattbach, keine organisierte Feuerwehr mehr. Diese Jahre nach dem zweiten Weltkrieg waren wohl die kritischsten in der Geschichte der Glattbacher Freiwilligen Feuerwehr. Die in ihren Idealvorstellungen missbrauchte junge Generation fand nur zögernd wieder den Weg zur Feuerwehr.
Ludwig Sauer, von Zuhause aus mit dem Feuerwehrwesen verwachsen, trat bereits 1946 dem Kreis der wenigen aktiven Feuerwehrleute bei, die der damalige Kommandant Alois Stumpf um sich geschart hatte.
Ludwig wurde bereits 1953 in den Ausschuss des Vereins gewählt und war 47 Jahre lang, bis zum Jahr 2000, ohne Unterbrechung in dem Führungsgremium des Feuerwehrvereins tätig. Fasst keine Übung, die in seine Freizeit fiel, wurde von ihm in all den Jahren seiner aktiven Zeit bei der Feuerwehr versäumt. Selbst wenn nur vier oder fünf Feuerwehrleute bereit waren, ein auswärtiges Feuerwehrfest zu besuchen, der „Major“ fehlte nie.
Kein Wunder dass Ludwig Sauer gerade auch bei den Feuerwehren der Umgebung bekannt und beliebt ist. Sein Einsatz für die Feuerwehr und seine Hilfsbereitschaft auch in der Vereinsgemeinschaft des Ortes sind sprichwörtlich.
Ungezählt sind auch die vielen Stunden, in denen er sich für die Organisation von geselligen Veranstaltungen des Feuerwehrvereins einsetzte. Besonders während der Bauzeit des neuen Feuerwehrhauses opferte er die meisten Stunden seiner Freizeit für dieses Projekt. Dabei geschah es, dass er sogar einmal einen Zug nach Miltenberg, den er als Zugführer begleiten sollte, vergessen hatte. Zur Rückfahrt von Miltenberg nach Aschaffenburg stand er allerdings pünktlich im Bahnhof von Miltenberg. Sein Sohn hatte ihn mit dem Auto zwischenzeitlich dorthin gefahren.
Für seinen selbstlosen Einsatz und seine Hilfsbereitschaft bei den Glattbacher Vereinen verlieh ihm die Glattbacher Schützengesellschaft im Jahr 1990 den Sebastianuspreis.
Seine Fürsorge gilt heute noch besonders der Geselligkeit im Verein. Ludwig Sauer ist bei den internen Veranstaltungen der Feuerwehr bis zum heutigen Tag nicht wegzudenken. Seine Gewissenhaftigkeit und seine Treue zur Sache sind beispielhaft.
Als Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr Glattbach wird er bei den wöchentlichen Besprechungen im Feuerwehrhaus sehr gerne gesehen, und ist bestrebt, mit „den Jungen“, wie er sagt, Kontakt zu halten.

Text: Altbürgermeister und Ehrenvorsitzender Friedolin Bernhard